Teil I
Die
Geschichte neu erfinden
Glaube, bloße Erfindung,
oder geschichtlicher Tatsachenbericht?
Dan Brown’s Roman „Sakrileg“ hat einiges an Fragen über
Jesus, die Evangelien, die Bibel und das Christentum im Allgemeinen aufgeworfen.
Die essentielle Frage dabei ist nicht „War Jesus verheiratet?“ sondern
vielmehr auf welche Quellen beziehen sich angebliche historische Fakten
... und – in diesem Fall – auf welche Quellen stützt
sich der christliche Glaube?
„Sakrileg“ als geschichtlicher
Tatsachenbericht
Was Fakten und geschichtliche Hintergründe angeht, ist Dan Browns
Werk voll von zahlreichen gravierenden Fehlern. Dem Roman jedoch geben
diese Fehler einen fesselnden Aspekt und verleihen der Geschichte Spannung.
Für einen Roman ist es nicht wichtig, dem Leser faktisch richtige
Informationen zu liefern. Deshalb gibt es auch keinen Grund, die Beweisbarkeit
von Dan Browns Werk anzufechten. Es ist schlicht und ergreifend eine
erfundene Geschichte – ein Roman. Allerdings scheinen trotzdem
viele Menschen sein Werk für bare
Münze zu nehmen und glauben, dass die angeführten geschichtlichen
Hintergründe wahre Fakten sind. Und genau das ist der kritische
Punkt. Einige der Werke, die Dan Brown in seiner erfundenen Geschichte
aufführt, sind sehr bekannte esoterische Werke: The Templar Revelation:
Secret Guardians of the True Identity of Christ von Lynn Picknett and
Clive Prince; Der heilige Gral und seine Erben von Michael Baigent, Richard
Leigh, und Henry Lincoln; The Goddess in the Gospels: Reclaiming the
Sacred Feminine und Die Frau mit dem Alabasterkrug. Das Geheimnis der
Maria Magdalena, beide von Margaret Starbird. Er verwendet auch die Bücher:
The Gnostic Gospels von Elaine Pagels, einer feministischen Autorin,
und Das geheime Wissen der Frauen von Barbara G. Walker.
Diese Werke
greifen das Christentum in heftigster Weise an und gründen
die meisten ihrer Behauptungen auf bloße Spekulationen basierend
auf Werken des 20. Jahrhunderts und ein paar, die frühestens im
9. Jahrhundert nach Christus geschrieben wurden. Einige dieser Bücher
greifen auch auf spätere Versionen der Gnostischen Evangelien zurück.
Wenn es dich wirklich interessiert, woher die Gedanken aus dem Sakrileg stammen,
solltest du dir vielleicht diese Werke näher anschauen.
Keines der
vorstehend genannten Bücher akzeptiert das Neue Testament
als historisches Werk und alle gründen ihre historischen Fakten
lieber auf andere, weniger verlässliche Werke – wovon bie
einigen inzwischen sogar bewiesen ist, dass sie frei erfunden waren – vergleichbar
mit jenen zweifelhaften E-mails, die wir alle von Zeit zu Zeit bekommen.
Wenn diese angeblich auf das Neue Testament zurückgreifen, wird
dies in einer absolut obskuren Art und Weise gemacht; man filtert alles
durch die „geheime“ Lupe, zu der nur ein paar auserwählte
Eingeweihte Zugang haben. Nur diese wissen, wie man die versteckten Botschaften
findet. Zum Beispiel, dass Maria Magdalena nicht eine dämonenbesessene
Frau sondern eine politische Fanatikerin – eine Zelotin – war.
Ihre „Dämonen“ waren lediglich Probleme, die sie mit
Rom hatte und Jesus „trieb sie aus“, indem er sie dazu veranlasste,
ihre Strategien zu ändern.
War Jesus verheiratet? Ist das wichtig?
Im Moment scheint das die wichtigste
Frage zu sein. Aber lass es mich noch einmal sagen: das sollte nicht
die Frage sein, die wir uns hier stellen sollten. Es zieht unser Augenmerk
von dem zentralen Thema weg.
Trotzdem: da doch immer wieder danach gefragt
wird, werde ich kurz darauf eingehen. Keine Aussage der Bibel erwähnt,
dass Jesus verheiratet war. Ja, aber was ist mit den anderen Evangelien
und Schriften? Nein, auch da wird nichts darüber gesagt. Nichts!
Du musst schon einen Vers nehmen und ihn dann total verdrehen, um dann
zu diesem Ergebnis zu kommen, dass Er verheiratet war – selbst
bei den Gnostischen Evangelien. Und da haben wir schon wieder das große
Problem: Warum vertrauen wir den Gnostischen Evangelien? Und warum zweifeln
wir die Biblischen Evangelien an? Warum lassen wir es zu, dass jemand
einen Vers aus der Bibel oder sonst woher nimmt, ihn völlig verdreht
und einen neuen Jesus daraus schafft? Das ist echt absurd. Ein Beispiel:
Lass uns Matthäus 25:1–13 nehmen, das Gleichnis
der 10 Jungfrauen. Jetzt könnte ich hingehen, ein Buch schreiben
und sagen, dass Jesus’ eigentliche geheime Botschaft war, dass
nur Jungfrauen Christen sein können. Oder ich könnte schreiben,
dass Er allen Männern sagen wollte, dass sie nur dann Christen werden
können, wenn sie mindestens fünf weise Jungfrauen heiraten.
Das ist völliger Schwachsinn und wird in der ganzen Bibel nirgends
unterstrichen. Und ganz abgesehen davon: in diesem Gleichnis geht es
nicht mal darum, dass der Bräutigam auch nur eine einzige dieser
Jungfrauen geheiratet hat. Sie waren einfach nur wartende Brautjungfern.
In der Geschichte geht es darum, auf das Kommen des Herrn vorbereitet
zu sein und weder um Jungfräulichkeit noch ums Heiraten. Es ist
schlicht und ergreifend dumm, nur einen einzigen Gedanken eines Textes
herauszunehmen und ihn dann ganz nach Belieben zu dem gewünschten
Ergebnis aufzublasen. Aber genau das ist es, was im Falle der Behauptung „Jesus
war verheiratet“ getan wurde. Und ich bin mir sicher, dass – wenn
jemand das Gleichnis mit den 10 Jungfrauen nicht kannte – ich einen
Haufen Leute dazu bringen könnte, meiner blödsinnigen Interpretation
zu glauben. Aber auch wenn eine Million Menschen daran glauben würden,
würde meine Interpretation doch falsch bleiben.
Bleibt aber doch
die Frage, ob das alles nicht eigentlich völlig
egal ist? Nein, ist es nicht! Okay, würde es egal sein, wenn Jesus
zu einem Außerirdischen von einem anderen Planeten gemacht würde?
Würde es völlig egal sein, wenn Er nur in die Vereinigten Staaten
käme und zu den Menschen dort spräche, wie die Mormonen das
behaupten? Wäre es egal, wenn Er und Maria sich in ein Boot setzen
würden und entsprechend der Templar Revelation in den Süden
Frankreichs reisten? Nein, es ist nicht egal! Wenn du einmal anfängst,
irgendwelche nicht biblisch fundierten Dinge zu glauben, bewegst du dich
auf dünnem Eis und öffnest Tür und Tor für echte
Gefahren. Wenn du einmal damit anfängst, einem nicht-biblischen
Konzept oder Quelle Glauben zu schenken, wo hörst du dann auf damit?
In dem Moment hast du jegliche Basis verloren, auf der du deinen Glauben
und entsprechende Kritikpunkte begründen könntest. Und
genau das ist das Problem und die Gefahr.
Wäre es für einen verheirateten
Mann wirklich möglich
gewesen, für unsere Sünden zu sterben, von den Toten aufzuerstehen
und dann wieder zu Seinem Vater im Himmel zurückzukehren? Ich kann
mir schon vorstellen, dass das möglich gewesen sein könnte,
aber hier geht es nun mal nicht darum, was wir uns vorstellen können
oder nicht. Warum wollen die Verfasser dieser Schriften eigentlich unbedingt
einen verheirateten Jesus haben? Sie wollen nichts anderes als
uns letztendlich dahin zu bringen, die Bibel nicht für voll zu nehmen.
Jeder Einzelne dieser Schriftsteller schreibt, dass die biblischen Evangelien
und die Bibel im Allgemeinen sehr fragliche Werke seien. Wie ich schon
sagte, bevorzugen sie andere Schriften, auf die sie ihre Begründungen
stützen (welche jedoch wiederum sehr fraglich sind). Viele von
ihnen behaupten, dass Jesus eigentlich ein irdisches Reich aus seinem
Geschlecht erschaffen wollte. Das behauptet auch das Sakrileg.
Im Gegensatz dazu sagt Jesus jedoch im Johannes-Evangelium ganz klar – als er
vor Pilatus stand – „Mein Königreich ist nicht von dieser
Welt. Wenn dem so wäre, würden meine Anhänger jetzt sofort
aufstehen und kämpfen.“ Also wofür entscheidest du dich? Öffnest
du Tür und Tor
für all diese Spekulationen oder beschließt du, ihnen entschieden
entgegenzutreten und den Jesus der Bibel als DEN einzig Wahren Jesus
anzuerkennen. Du kannst nicht einem „was wäre wenn...?“ die
Tür offnen, ohne dich auch mit allen anderen beschäftigen zu
müssen ... von denen viele bis heute wahrscheinlich noch nicht
mal gedacht wurden.
Die Bibel spricht niemals von einem verheirateten
Jesus. Die Hochzeit zu Kanaan, wo Er sein erstes Wunder tat, wird
erwähnt,
aber nicht so Seine Eigene – weil er keine hatte. In Matthäus
19:10 – 12
spricht Er zu Seinen Jüngern über die Ehe. Sie antworteten
daraufhin, „Dann ist es wohl besser, nicht zu heiraten.“,
und Jesus sagte, „nicht jeder kann das ... manche haben sich selbst
zu Eunuchen (Singles/Nicht-Verheirateten) gemacht um des Königreichs
willen. Wer das kann, soll es machen.“ Jesus konnte es ganz offensichtlich – single
sein und unverheiratet bleiben. Die Bibel spricht von Maria Magdalena
als ... Maria Magdalena – nichts weiter. Es gab einfach zu viele
andere Marias und deshalb hatte jede ihren entsprechenden Beinamen. Zum
Beispiel die Mutter Jesu oder die Schwester von Martha. Selbst die Gnostiker
nennen sie nur Maria Magdalena oder einfach nur Maria – jedoch
niemals „Maria, die Frau Jesu“. Grund dafür? Jesus und
sie waren nicht miteinander verheiratet. So einfach ist das. Wenn du
genau liest, wirst du feststellen, dass auch viele der genannten Schriften
nicht behaupten, dass Jesus verheiratet gewesen sei. Sie fragen nur „Warum
hätte es nicht sein können, dass Jesus verheiratet gewesen
sein sollte?“ obwohl die meisten es nicht wirklich glauben. Sie
haben keine Beweise dafür. Viele von ihnen glauben allerdings, dass
Jesus und Maria sexuell verkehrten (ein heimliches sexuelles Ritual,
um die Erlösung herbeizuführen), aber nicht, dass sie verheiratet
waren. Du fragst jetzt natürlich, „Wäre es nicht weniger
schlimm, wenn sie sagten, dass sie verheiratet waren als dass sie nur
sexuell verkehrten?“ Nein. Ganz egal, was sie sagen, es wäre
das Beste, wenn sie sich an die Fakten hielten. Es wäre das Beste
für uns, ein für alle mal zu kapieren, dass – wenn die
Bibel nichts über einen verheirateten Jesus sagt – Er schlicht
und ergreifend nicht verheiratet war. Die Bibel sagt ja auch nicht, dass
Er ein Außerirdischer war, also war Er es auch nicht. Und auch
wenn Johannes der Täufer Ihn „das Lamm Gottes“ nennt,
bedeutet das ja noch lange nicht, dass Er tagsüber ein Mann
und nachts ein Lamm war ... also war Er es auch nicht.
Ein anderes Evangelium
Wenn
du einem anderen Evangelium glauben willst, dann hast du ganz schön
viel Auswahl … Wenn du denkst, dass die Gnostiker das Richtige
sind, dann solltest du mehr darüber rausfinden. Ein großes
Problem der Gnostiker bestand darin, den Gott des Alten Testaments und
den Jesus des Neuen Testaments miteinander zu vereinbaren. Das gelang
ihnen nicht, also beschlossen sie, den Gott des Alten Testaments zum
Schöpfer der materiellen Welt zu machen. Da die materielle Welt
jedoch schlecht war, musste dieser Gott automatisch Satan sein. Ihr Jesus
kam, um uns durch Wissen freizusetzen („gnosis“ = Wahrheit
oder „geheimes Wissen“ wird dich freisetzen). Dieses Wissen
besteht darin, dass wir Gott sind. Wir haben Gott schon in uns und müssen
uns von allen materiellen Ideen (welche ja schlecht sind, weil sie von
dem bösen Gott des Alten Testaments kommen) losreißen und
in die geistliche Welt eintauchen (welche ja gut ist, weil sie von dem
Jesus des Neuen Testaments kommt). Der Weg zu dieser geistlichen Freiheit
ist allerdings ein großes Geheimnis und man kann nur durch ganz
bestimmte geheime Rituale dahinterkommen (genauso, wie sie die Mormonen
oder die Freimaurer haben). Und da haben wir den Salat: Das Problem ist
nämlich, dass die meisten Christen das Alte Testament nie wirklich
gelesen haben – oder gute Lehre darüber hatten, also ist es
für sie einfach, diese Gedanken nachvollziehen zu können: Der
Gott des Alten Testaments ist ... böse oder verärgert. Jesus
ist ... gut und liebend. Aber das ist nicht die Aussage der Bibel. Die
Bibel sagt, dass Jesus das Ebenbild Gottes, des Vaters, des Schöpfers
des Himmels und der Erde war. Am Anfang war Gott und das Wort war bei
Ihm. Nichts wurde ohne Ihn – Jesus – erschaffen. Er sagte, „Wenn
ihr denkt, ich bin gekommen, um das Gesetz (das Alte Testament) zu zerstören,
dann liegt ihr falsch. Ich kam, um es zu erfüllen.“
Verborgene Geheimnisse
Einen letzten Gedanken, den ich dir hier mitgeben
will, handelt von den verborgenen Geheimnissen. Viele der Gnostiker
und ihrer heutigen Anhänger (wie z.B. die, die das Sakrileg mit
inspirierten), reden von der geheimen, verborgenen, WAHREN Version
des Christentums. Lass uns dazu eine der ersten christlichen Schriften
anschauen: Paulus schreibt in 2. Korinther 4:2–5 „Wir
haben uns von den beschämenden geheimen Dingen abgewandt,
indem wir nicht einer Täuschung/einem Betrug folgen, noch Gottes
Wort verfälschen, sondern können in Gottes Licht und seiner
Wahrheit allen Menschen mit Offenheit entgegentreten. Wenn unser
Evangelium aber irgendjemandem nicht verständlich und verschleiert
ist, dann sind es die, die verloren gehen. „Warum?“ Weil
der Gott dieses Zeitalters sie verblendet hat, so dass sie weder das
Licht des Evangeliums noch den Christus – das Ebenbild Gottes – erkennen
können.“